Solo-Selbststaendige in der Krise

Solo-Selbststaendige in der Krise

Solo-Selbstständige sozial absichern - Herr Fortmeier ist dafür

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Im Wirtschaftsausschuss im NRW-Landtag berät Georg Fortmeier mit den anderen Fraktionen über die Konsequenzen durch die Corona-Maßnahmen und die Hilfen für die Betroffenen. Dem SPD-Abgeordneten und ver.di-Mitglied ist wie vielen anderen politischen Entscheidungsträgern oftmals nicht bekannt, wie Solo-Selbstständige leben und arbeiten, weil sie schlichtweg keine kennen. Die PolitikerInnen hätten in den vergangenen Wochen mit der Krise gelernt, wo die Problemlagen sind oder wie sich strukturelle Ungleichheiten verstärken, erklärt Geort Fortmeier die politischen Entscheidungen, die manchmal nicht leicht nachvollziehbar sind. Bei den Hilfen für Solo-Selbstständige könne aber die Landesregierung nicht alleine entscheiden und müsse sich dabei immer mit der Bundesregierung abstimmen. Ähnlich wird eine bessere soziale Absicherung Solo-Selbstständiger im Bund entschieden, aber die Landesregierung könne hier durchaus auch die Initiative ergreifen, glaubt der SPD-Politiker. Im Bundestagswahljahr bleibt spannend, welche Partei sich dieses Thema auf die Fahnen schreibt.


Kommentare

Kathy Ziegler
by Kathy Ziegler on
@ Su summarum Danke für deinen Kommentar! Ja, als Musikerin entscheidet frau sich für die Kunst und die Freiheit, diese auszuüben. Aber Musik ist auch Arbeit, die angemessen bezahlt werden sollte. Also so, dass Musikerinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen usw. davon leben können. Ich akzeptiere nicht, dass Kunst so bezahlt wird, dass Menschen nicht davon leben können, dass diese Arbeit als weniger wert betrachtet wird. So bisschen: Kunst kann ja jeder, Musik macht man, weil's Spaß macht usw. Man kann den Status quo akzeptieren oder frau versucht etwas zu ändern. Ich gehöre zu den Letzteren. Und mit mir viele in ver.di. Deshalb muss ich dir vehement widersprechen: Es gibt eine Gewerkschaft für Künstlerinnen, Musikerinnen, Schriftstellerinnen, Tänzerinnen, Schauspielerinnen. KSK ist gut, aber das reicht bei Weitem nicht. Es ist löblich, wenn du mit deinen Finanzen so haushaltest, dass du es schaffst, für das Alter vorzusorgen. Aber du sagst richtig: noch geht das alles bei dir. Bei manchen eben schon nicht mehr. Als Gewerkschafterinnen sehen wir aber das nicht als individuelles Problem, sondern suchen nach solidarischen Lösungen. Du sagst zwar, du hast dich bewusst entschieden, nicht ins "Sicherheitssystem einzusteigen", aber tatsächlich ist es so, dass die solidarischen Sicherungssystem für dich noch gar nicht offen sind. Und das ist eine Forderung der Gewerschaft, ein echte Solidargemeinschaft zu organisieren, in der alle für jede und jeden einstehen, also alle in eine Kasse zahlen. Wir nennen es Erwerbstätigenversicherung. Wie das klappen kann, wenn man/frau jahrelang nicht Teil davon war, darüber diskutieren wir jetzt schon mit VertreterInnen der Ministerien. Denn das finde ich, ist auch eine wichtige Aussage von dir: das Geld sollte nicht über die Kunst entscheiden. Aber auch nicht über die soziale Absicherung. Unser Ziel sollte es sein, dass alle Menchen ein angemessenes Auskomme bis ins Alter haben, das sollte losgelöst von der Art der Arbeit ist. Genauso wenig sollte die Art der Arbeit definieren, ob Menschen viel oder wenig Einkommen haben. Du siehst, hier stehen noch viele Diskussionsprozesse an. Ich würde mich freuen, wenn du dich weiter daran beteiligst. Gerne innherhalb ver.dis ;-)
Su summarum
by Su summarum on
Die Entscheidung für den Musikerberuf trifft man im Allgemeinen schon in früher Jugend. Hat man kein direktes Vorbild (Musiker als Eltern), finanzielle Freiheit (reiche Eltern) oder weisen Rat, dann geht man damit ein mehr oder weniger trotziges Risiko ein. Die Entscheidung „für die Berufung“ und gegen ein gesichertes Einkommen trifft man bewusst und mit jugendlichem Enthusiasmus. Wenn ich bis heute als fahrende Sängerin oder wildlebende Dienstleisterin in musikalischen Belangen überlebt habe, dann liegt es auch an meiner Überzeugung, dass nach wie vor diese riskante Lebensform für mich besser ist als alle Alternativen, die ich kenne. Ich bin frei von festen Arbeitszeiten, muss nicht die meisten Stunden meiner Woche dafür aufwenden, bei einem Arbeitgeber für Umsatz zu sorgen und mir Absicherung für jetzt und später zu erkaufen. Ich bin frei, jeden Tag Zeit in meine eigene Entwicklung zu investieren und in Ideen und Projekte, die ich mit anderen Musikerinnen und mit meinem Publikum zur Freude aller durchführen kann. So verstehe ich unseren Auftrag für die Gesellschaft: Menschen zu erfreuen und ihnen etwas zu vermitteln, was sie nach ihrem Arbeitnehmer-Tag mit Anregungen, Träumen und überraschenden Perspektiven versorgt. Ich liebe LaFontaines Fabel von Wolf und Hund. Und ich bin für magere Zeiten gerüstet. Als freie Musikerin kauft man kein Haus. Man hält seine Fixkosten so gering wie möglich oder plant sie so, dass man sie notfalls auf ein Minimum herunterfahren kann. Obwohl ich zwei Kinder habe und mein Mann auch freiberuflicher Künstler ist, rechne ich im Grunde mit meinem Minimum von 1200,- pro Monat. Weil es meistens mehr zu verdienen gibt, leben wir damit sehr zufrieden. Dankbar bin ich für die Künstlersozialkasse. Es gab schon Zeiten, in denen ich meinen Beruf ohne dieses Privileg hätte aufgeben müssen. Andererseits entsteht durch diesen „Künstler-sozial-Status“ auch etwas anderes, was nicht sofort ins Auge fällt: In vielen Bereichen werden freiberufliche Musiker jämmerlich unterbezahlt. Der Tagessatz für ein Orchesterprojekt liegt seit 20 Jahren bei um die 150 Euro. Daran ist einfach nichts zu rütteln, weil Veranstalter von Projektkonzerten (Kirchengemeinden oder Laienchöre) seither nicht mehr Geld zur Verfügung haben, sondern eher weniger. Musiker sind auch nicht gewerkschaftlich organisiert, sondern jeder entscheidet für sich allein. Wenn ich also ein dürftig bezahltes Engagement absage, kann der Veranstalter sicher sein, dass er einen anderen Musiker findet, der für den Preis spielen will. Für dieses Problem sehe ich keine Lösung. Und unser sozial unterstützter Künstlerstatus entschuldigt dann auch dieses System, denn wenn jeder von uns einn ausgewachsenen Krankenkassenbeitrag zahlen müsste, müssten wir alle hauptsächlich anderswo Geld verdienen und könnten nur nebenbei Künstler sein, oder die Arbeit müsste eben angemessen bezahlt sein. Solange man in der KSK ist, darf man außer seiner Haupttätigkeit übrigens nicht mehr als 450,- pM. mit etwas anderem verdienen, sonst fliegt man aus der „gemütlichen“ KSK raus! Trotz all dieser Tücken bin ich mit meinem Dasein zufrieden und würde es auch mit allen meinen Möglichkeiten verteidigen! Jetzt habe ich das Glück, dass mir das Land Hessen zweimal für meine Projektentwürfe Stipendien bewilligt hat. Das ist ein großartiger Zustand, denn so kann ich kreative und schöne Dinge erschaffen, ohne mich um den Profit zu sorgen, den ich damit erziele. Zum ersten Mal löst sich die Verbindung auf zwischen Musik und Geld - und im Grunde finde ich, dass es da noch nie wirklich einen Zusammenhang gegeben hat. Wer kann den finanziellen Wert einer Musik errechnen? Solange ich zufrieden leben kann von meinem Geld, kann ich meine Musik einfach verschenken! Im Moment bin ich dafür einfach nur dankbar. Trotzdem behalte ich eine Art wolfsmäßiger Gespanntheit bei und nehme die Unterstützung nicht für selbstverständlich. Wenn sich die Regierenden wieder anders entscheiden, wenn sich die Zeiten ändern, wenn neue Katastrophen kommen oder die Welt bald untergeht - ich habe mich für Freiheit, spontane Improvisation und Risiko entschieden und ziehe es auch durch mit dem was mir gegeben ist. Denn erst nicht ins Sicherheitssystem einzusteigen und dann in der Krise danach zu rufen, ist nicht meine Art.

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Über diesen Podcast

Mehr als zwei Millionen Menschen verdienen ihr Einkommen als Solo-Selbstständige. Für viele von ihnen bedeuten die Maßnahmen gegen die Corona-Krise weniger bis gar kein Einkommen. Coronahilfen können sie oft wegen der Kriterien nicht beantragen. Hartz IV ist keine Lösung. Was die ver.di-Selbstständigen schon lange kritisieren, ist in der Corona-Krise überdeutlich geworden: die mangelnde soziale Sicherung Solo-Selbstständiger.

Wie sich das auswirkt, erzählen Solo-Selbstständige im Podcast. Wir geben uns aber nicht mit dem Kritisieren zufrieden, wir wollen auch etwas verändern. Deshalb gibt es Forderungen der ver.di-Selbstständigen, wie sich die soziale Sicherung der Solo-Selbstständigen deutlich verbessern lassen würde.

Verschiedene Politiker aus Nordrhein-Westfalen sind schon zu Wort gekommen und haben ihre Position zu den Forderungen dargelegt.

Jetzt mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September werden wir hier noch einmal im Einzelen unsere Forderungen vorstellen.
Mehr dazu findet ihr auch hier: https://koeln-bonn-leverkusen.verdi.de/themen/coronavirus-covid-19/++co++e7646d1a-a8c8-11eb-a2e6-001a4a160116

von und mit Kathy Ziegler

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